Putzparty – Szene II


Louisa Schönenborn

„Meine Süsse, das war doch noch human. Du musst ja wenigstens nur die Plastikdosen präsentieren, seitdem ich angefangen habe die Putzpartys zu organisieren ist mir kein Schmutz mehr fremd! Stell Dir vor – letztens fragte mich doch eine Kundin sogar, wie sie ihren Kamin reinigen könnte! Ihren Kamin – ich bitte Dich!“ Mitfühlendes Schnauben von Schneewittchen. „Und was hast Du gemacht?“ „Ich habe sie nur genervt angeschaut. Daraufhin hatte diese Schnepfe doch die Unverfrorenheit mir zu antworten, ich sei doch gewöhnt, in der Asche rumzumatschen, denn ich hätte ja oft genug Feuer gemacht.“

Wieder empörtes Schnaufen von Schneewittchen. „Und dann?“ „Dann habe ich ihr gesagt, ich würde ihr gerne den Kamin säubern und ihn dann feuern – aber dann müsste ich all die kleinen Mäuse, die bei ihr in der Küche wohnen auch um Hilfe bitten.“ Schneewittchen ist unfähig zu antworten, denn sie hat einen Lachkrampf und kriegt sich kaum noch ein. „Tja,“ bemerkt Aschenputtel düster. „Du hast gut lachen – damit war meine Karriere für „Putz mit Adel“ auch kurzfristig beendet. Ich habe totalen Stress mit dem Prinzen – denn er möchte unbedingt, dass wir das Thema Nachwuchs in Anspruch nehmen. Er hat sogar überlegt, dass er die Gesetze ändern will, damit ich auch weiterhin arbeiten kann und eine Betreuung für meine Kinder habe. Aber ich habe das Gefühl, ich möchte erst etwas eigenes haben. Ich habe schon überlegt, ob ich nicht einmal im Verkauf von Time-Sharing anfangen soll – wir haben doch das Schloss von der bösen Stiefmutter noch.....“

„Oh, Gott, lass das bloß sein – frag doch einfach mal Rotkäppchen nach Timesharing – die hat da ganz miese Erfahrungen mit gemacht. Der Jäger hat ja das gesamte Naturgebiet um den Wald einschließlich dem Haus der Großmutter in eine Ferienanlage umgewandelt und Rotkäppchen steht jetzt jeden Tag an der Rezeption und muss versuchen, diese Anteile zu verkaufen. Der Jäger hat ihr zwar einen Antrag gemacht – aber hat ihr gesagt, dass ja erst alle Anteile verkauft werden müssen, denn sonst kann er sie nicht ernähren. Und die Arme ist so verliebt in diesen Trottel, dass sie ihre Firma im Moment ganz vernachlässigt – der Verkauf der Rotkäppchen-Kuchen ist im Moment total zurückgegangen und die Aktien sind auch in den Keller.

Und auch der Käse verkauft sich kaum noch. Nur mit der Sektkellerei haben sie noch einige Einnahmen. Wenn der dämliche Jäger aber Rotkäppchen weiter so beschäftigt, dann sehe ich schwarz für uns! Das ist ja ein Grund, warum ich so gerne noch etwas dazuverdienen möchte, wir haben ja fast unser gesamtes Vermögen darin angelegt. Und die Prinzen heutzutage verdienen ja auch kaum noch genug um das Schloss zu unterhalten.“ „Versuch es doch mal mit einer Dessous-Party. Dann kannst Du doch die ganze Prominenz einladen!“ schlägt Schneewittchen vor. „Mmmmmh,“ grübelt Aschenputtel. „Meinst Du wirklich? Ich war ja in meinem Vorleben nicht gerade für meine ausgefallenen Bekleidungen bekannt. Die Mäuse haben mir zwar geholfen ein tolles Abendkleid zu nähen – aber die Dessous hätte ich damals dem Prinzen nicht zeigen können. Da war die Unterwäsche der guten Fee schon wesentlich besser.“

„Warum lässt Du Dir nicht vor ihr ein wenig unter die Arme greifen?“ fragt Schneewittchen. „Ach Du lieber Gott. Das haben wir letztens versucht. Ich hatte einen tierischen Kater und musste einen Empfang vorbereiten. In meiner Verzweiflung habe ich sie angerufen und sie hat mir einige Zaubersprüche gesagt. Der Empfang musste dann abgesagt werden und mein Prinz musste drei Tage Griesbrei essen, bis er mir einen Ausgang aus dem Schloss freigegessen hatte. Er wird nie wieder Griesbrei essen!“ „O.k, die gute Fee fällt dann auch flach aber ich würde es trotzdem mal mit Dessous versuchen. Überlege mal, Du könntest doch alle Deine illustren Bekannten und Verwandten einkleiden. Deinen bösen Stiefschwestern könntest Du Mieder und Stützstrümpfe verkaufen, der bösen Stiefmutter einen schwarzen BH mit heißen Halbschalen. Nachdem Dein Vater ja nicht mehr für sie zahlt, muss sie sich auch das Leben finanzieren und so eine Domina hat ja einen hohen Verbrauch an Dessous.

Lack und Leder laufen ja im Moment besonders gut. Ich könnte ja auch nochmals Goldmarie bitten, ihre Schwester, die Pechmarie vorbeizuschicken, die steht ja auch total auf schwarzen Lack – das ist wohl am dezentesten mit dem ganzen Pech auf der Haut.“ „Na, ja ich könnte es ja mal versuchen“, überlegt Aschenputtel. „Meinst Du denn, Du könntest mir die guten Feen auch vorbeischicken?“ „Ja klar, die stehen total auf romantische Sachen – allerdings......“ Dornröschen räuspert sich verlegen. „Du müsstest dann auch die Sachen alle in großen Größen vorrätig haben – denn sie sind schon ein wenig auseinander gegangen, all die Guten. Die ganzen Taufen, zu denen sie eingeladen wurden, all das gute Essen, das hat die Taille dann doch zum Teufel gejagt.“ „Du könntest ja auch mal Rotkäppchen fragen, vielleicht kennt die ja auch noch ein paar Leute. Allerdings – seitdem die Großmutter im Altersheim ist, hat sie – außer diesem blöden Jäger – auch nicht mehr viele Bekannte. Wir müssten sie da sowieso mal rausholen und ein Mädelswochenende machen! Und dann hätte ich wenigstens mal ein Wochenende kinderfrei!“

„O.k.,“ Aschenputtel ist angetan. „Morgen werde ich mich mit einer Dessousfirma in Verbindung setzten und ich werde alle die Damen einladen. Drücke mir die Daumen, wenn ich ordentlich verkaufe, dann kann ich mir auch das Wochenende mit Euch leisten! Apropos leisten – was macht eigentlich Goldmarie?“ „Oh, je, Goldmarie – von der habe ich ja schon ewig nichts mehr gehört.“ Schneewittchen denkt scharf nach. „Ach ja, die ist ja auch im Verkaufssegment unterwegs. Sie hat erst Staubsauger verkauft und damit richtig gut Geld verdient. Allerdings ging ihr tierisch auf den Geist, dass die Leute ständig Pech auf die Teppiche schmierten und sie dann fragten, wie sie das wegsaugen könnten. Jetzt verkauft sie Küchengeräte. Ganz wilde Teile, die können alles außer Staubsaugen und Sex!“ Aschenputtel lacht. „Na, ja auch Staubsaugen könnte ich ja noch verzichten – aber ansonsten könnte der Prinz schon mal Unterstützung brauchen. Er regiert einfach zuviel. Wo die Kinder herkommen sollen, weiß ich im Moment ja nicht.....“

Schneewittchen antwortet: „Na, sei doch froh, dass Du Deine Ruhe hast. Aber Goldmarie hat auch so einen Schlingel an der Backe. Der Kerl will nur ihr Geld. Und sie verdient richtig gut mit den Maschinen. Die können Brot backen, Äpfelbäume schütteln und sogar auch die Betten machen. Zusätzlich kann man damit garen, Sahne schlagen und Besuch bedienen. Sie sucht auch noch einen Subunternehmer – vielleicht wäre das ja auch noch was für Dich? Ich habe die Zwerge schon hingeschickt, nachdem die schon beim Verkauf von Versicherungen total versagt haben, versuchen sie sich jetzt als Vertriebsassistenten. Zumal Goldmarie dann noch viel mehr mit der Maschine machen kann – denn die Zwerge sieht ja keiner......“

Aschenputtel kichert. „Aber das ist ja nicht gerade die feine englische Art, oder? Die Leute werden doch betrogen?“ Schneewittchen antwortet lakonisch: „Wer so dämlich ist und eine Maschine für etwas kauft, was man auch völlig ohne dieses Gerät machen kann, verdient es betrogen zu werden. Und im übrigen hat sich komischerweise noch niemand beschwert. Aber, Schneewittchen – ich glaube, ich bleibe doch bei den Dessous. Sag der Königin Bescheid, nächste Woche Mittwoch bei mir.“ „Also dann, viel Erfolg, ich werde den guten Feen auch Bescheid sagen. Ach – und übrigens: Gib den Mädels auf gar keinen Fall Alkohol! Dann hast Du sie gar nicht mehr unter Kontrolle! Und ruf danach an wie es gelaufen ist!“