Beschreibung eines Sonntags
von Renate Khan Boloki
Du stehst gutgelaunt auf, die Sonne scheint, doch während du Kaffee kochst,
kommen dir auf einmal Zweifel. Du erinnerst dich an diesen Traum, den du
hattest, er war angenehm, aber es war eben nur ein Traum, dein Ex ist nie
so charmant und gefühlvoll gewesen wie heute Nacht und die Wirklichkeit
ist ganz anders: du bist allein.
Manchmal kannst du gar nicht begreifen, dass so was Nettes wie du allein ist
wo es doch so viel gibt, das geteilt werden könnte, z.B. das Frühstück, das du
dir gerade machst.
Während du das denkst, lässt du zwei Eier in das kochende Wasser gleiten.
Obwohl du nur eins essen wirst, machst du das immer so, weil ein einzelnes Ei
so etwas Trauriges hat.
Du überlegst was du mit dem schönen Tag anfängst, wo du hingehen könntest, und
es fällt dir eine Menge ein, aber du hast sofort die Familien und die Pärchen
vor Augen mit denen die Welt übersät ist, es scheint sie mindestens nur im Doppelpack
zu geben, weit und breit siehst du keine Einzelmenschen so wie du einer bist.
Es klingelt. Freudig rennst du zum Telefon, vielleicht will sich jemand mit dir
verabreden. Da erst merkst du, dass das Klingeln nicht dir sondern den Eiern
gilt und heftiger als es deine Art ist, nimmst du den Topf vom Herd und schreckst
sie mit kaltem Wasser ab.
Paare, die dir begegnen, scheinen vor Harmonie zu platzen, so gut verstehen sie
sich, gehen eng umschlungen, in ständiger Bereitschaft Küsse und andere Nettigkeiten
auszutauschen.
Und du fragst dich wie weit du dich schon von der Realität entfernt hast oder
wie viel Wunschdenken da im Spiel ist und dann wirst du traurig und vielleicht
auch ein bisschen wütend und du fängst an mit dir und dem Schicksal zu hadern
und überlegst was du falsch machst. Spätestens jetzt kannst du die Tränen nicht
mehr zurückhalten und versinkst in Selbstmitleid und der Kaffee wundert sich
auch und wird kalt, genau wie das Ei, das im Eierbecher auch keine gute Figur
macht.
Dann läufst du zum Spiegel und sagst dir du bist ja undankbar, immerhin lebst
du noch, was ja auch nicht selbstverständlich ist angesichts der Situationen
in denen du z.B. in Lebensgefahr warst oder der Momente von denen du nicht glaubtest
sie überleben zu können.
Du schaust in dein Gesicht, du magst dich doch und wenn keiner auf der Welt dich
mögen würde hast du doch immer noch dich.
Du beschließt als Einzelmensch zu Hause zu bleiben, machst es dir mit einem
Buch gemütlich und tauchst ein in die Welt und die Probleme anderer Einzel- und
Zweiermenschen und beginnst zu denken, dass es dir doch viel schlechter gehen
könnte. Vielleicht sagst du dir auch was Nettes, weil ja niemand da ist, der
das tun könnte, und weil du ja schließlich daran gewöhnt bist, die Dinge selbst
in die Hand zu nehmen.