Freundin

von Regina Bäcker

Hallo meine Freundin, sei willkommen, habe dich schon lange nicht mehr in dieser Dimension empfunden.
Bin trauig un sag bar trauig. Du weißt was ich brauche, denn darum bist du da, weil ich es schon lange nicht mehr hatte. Ich brauche es, mehr denn je, und doch will ich es nicht, renne weg, verschließe mich. Dann würdest du mich auch nicht besuchen und mein Herz würde nicht so schmerzen. Schon längst hast du hinter meine Fassade geschaut, keiner kann das so wie du. Nun bist du da und rausschmeißen kann ich dich auch nicht, also gehen wir zusammen einen Kaffee trinken.
Schließlich bist du meine beste Freundin, die Einsamkeit heißt.


 

Eine einzige Nacht

von Regina Bäcker

Was habe ich nur getan?
Diese eine, wunderschöne Nacht, die erfüllt war von süßer Erregung, die mir noch immer ein Kribbeln auf meiner Haut hinterlässt bei jeglicher Erinnerung.
Und nun schaue ich jede freie Minute auf mein Handy, höre den Anrufbeantworter zehn mal ab, ob du dich gemeldet hast, gehe so oft zu deiner Wohnung, ob du zufällig gerade das Haus verlässt.
Klingel, aber du öffnest nicht.
Gehe in irgendwelche Kneipen und hoffe, dass du vielleicht auch da bist.
Weine bis tief in die Nacht.
Aber irgendwie müssen wir beide aus dem gleichen Erlebten unterschiedliche Konsequenzen gezogen haben.
Denn jetzt willst du mich nicht mehr.
Oder liegt es daran, dass ich in dieser Nacht geschnarcht habe?


 

Abwechslung

von Regina Bäcker

Oh, du mein Hübscher, mein Geliebter.
Noch immer spüre ich deine Hände über meinen Körper gleiten.
Intensiv, alle Sinne geöffnet, atemlos und brennend.
Entsprungen aus der Quelle der Lust, vermischt mit qualvollen, unbefriedigten Gefühlen, wie Bienen die gierig nach süßen Pollen schlürfen.
Deine Worte, noch immer in meinem Ohr hallend, tief in mein Herz gedrungen, endlich meine Sehnsucht nach Liebe gestillt.
Von dir als Frau im Ganzen gesehen und respektiert, angenommen und nicht verneint.
Oh Liebster, in deine Augen blickend, aufgenommen und hinein gesogen in einen Strudel aus Leidenschaft.
Deine Küsse so zärtlich wie eine Sommernacht.
Die Zeit, in der du nicht da bist, so quälend.
Ja, ich werde geliebt.

Heute hast du mir in einer SMS geschrieben, dass ich mich für zwei Wochen nicht melden soll, denn du fährst mit deiner Frau in die Ferien.
Aber ich werde warten.


 
Chat Liebe

von Regina Bäcker

Aufgeregt,mein Herz schlägt so schnell, wie lange schon nicht mehr. Zärtlich streichel ich die Tastatur, warte auf deine ersten Buchstaben.

Wer bist du?

Ich suche nach deinem Profil, finde dich nicht, bin verwirrt und durcheinander. Du.

Du gesichtsloser Unbekannter, der mich fröhlich in einem Glücksrausch versetzt, nur der Gedanke an dich reicht aus. Es ist soweit, die ersten Wörter sind zu lesen, ich zittere.

Ich kenne dich nicht und doch rüttelst du Gefühle in mir wach, die mich fast verbrennen lassen vor lauter Sehnsucht. Das Verlangen nach deiner Berührung wird unerträglich.

Wer bist du?

Seit einem Jahr gehst du nicht mehr mit mir ins Kino und heute Abend chattest du wieder.


Traum? Wirklichkeit?

von Regina Bäcker

Schreien, schmerzen, panische Angst. Wo bin ich? In einen Raum, kaum beleuchtet. Schaue an mir herab, Panik, Herz zerspringt bald. Entsetzen packt mich, ich sehe mich als Mann.

„Nein“, schrei ich, „geh weg, nur ein Trugbild, ich weiß ich bin eine Frau, oder doch nicht?“

Diese Schreie geformt in Schmerzen fließen durch mein Körper. Luftnot, Beklemmung. Ein Baby liegt vor meinen Füßen. Ich soll das sein? Woher weiß ich das? Dieser Raum, ich brauche Luft, dieses Durcheinander, sehe Bilder, Bücher, dreckiges Geschirr, Feder und Tinte, Klamotten nicht aus diesen Jahrhundert. Was mache ich hier? Ich will weg, raus hier. Erschreckt weiche ich zurück, eine Gestalt, ein Mensch, nein, ein Wesen ohne erkennbares Bild legt ein Buch uralt und zerfallend in meine Hände.Jetzt ist es weg und wieder Schreien, Schmerzen, bin ich das? Den Boden nicht mehr spürend. Die Kraft verlassend, fast zerbrechend und plötzlich, endlich bist du da. Harmonie schwebend befreiend nicht mehr in diesen Raum. Tief Luft holen, Geruch nach frischen saftigen Steppen. Umhüllt von einem wärmenden Licht. Frei mitten in der Büffelherde. Lebenskraft durchströmt mein Körper. Schützend vor mir stehst du, meine Nacktheit bedeckend. Ja, ich bin eine Frau. Spüre deine Energie, deine Kraft, deinen Mut und deine Ruhe. Dein Atem wirkt wie ein zärtliches Streicheln. Glücksgefühl, mit dir verschmolzen, vereint, jage ich in die Freiheit hinein, spüre dein heißes Blut, die Wildheit. Verbunden mit dir und mir.

Das Radio dröhnt.
Ich wache auf.
Wer bin ich?


Licht

von Regina Bäcker

Ach Sonne sei willkommen, deine Wärme geht bis in mein Inneres. Deine Sonnenstrahlen umhüllen meinen Körper und wärmen mich wie eine Umarmung. Ich fühle mich geborgen. Du kitzelst meine Nase, so das ich lachen muss. Ich danke dir, dass du nach so vielen Regentagen noch einmal zwischen den grauen Wolken hervorgetreten bist und uns verrückten Menschen für ein paar Stunden Harmonie geschenkt hast.