Lyrik - Michael Starcke
Michael Starcke - Lyriker aus Bochum. (Link zum Portrait)
michael starcke
in diesen tagen
am zarten grün
des frühlings
kann ich schon
die farben des herbstes erahnen.
erschöpft
von seinen träumen
klaubt ein mann
papierfetzen
auf dem gehweg auf
und ein anderer
winkt müde seiner frau.
verloren
trottet ein hund
am rand des weges
entlang,
als gäbe es nichts
zu finden,
wonach zu suchen lohnte.
eine tasche
über die schulter gehängt
suche ich im alltag
das gewohnte,
aufregend genug,
über die niederschrift
eines gedichtes nachzudenken.
michael starcke
kalter frühlingstag
immer wieder faszinierend
das bewegliche licht-
und schattenspiel
im blattwerk der bäume.
hundebesitzer folgen
dem bewegungsdrang.
rote baufahrzeuge
verlängern die straße.
es gibt keinen besseren spiegel
als die augen
deines gegenübers.
wo spielt das leben?
wo lauert der tod?
ein schwarzer hund schleicht
durchs gras
wie eine katze
und ein briefkasten baumelt
am türgriff eines
leeren ladenlokals
und einer wurde aus anderen gründen
im meer bestattet
als manche,
die es sich wünschen.
michael starcke
regnerischer apriltag
am stromkasten lehnt
ein abgeschraubtes halteverbotsschild
und in der wiese
halten die gänseblümchen
sich geschlossen.
die straße entfernt sich
im nebel der regenschleier
und der eindruck entsteht,
sie könnte im stillstand
jede reise unterbrechen.
der flieder verblüht
zur gesichtslosigkeit,
aber präzise ist
das gelb der briefkästen
zu erkennen
an den häuserwänden.
die weißen blüten
der bäume am straßenrand
stinken,
ein unbändiges gefühl
und rätselhaft bleibt
die wachsamkeit und geduld
der rinnsteine und kübelpflanzen.
ich wünschte mir,
von liebe gehalten,
in einer geschichte anzukommen,
die das licht einfängt in den steinen der häuser
obwohl mir wissen und macht fehlen,
die sonne jederzeit herbei zu zitieren
mit gottvertrauen.
michael starcke
einmal gelebt haben
einmal gelebt haben
wie in einem guten traum,
fest eingerollt
in seine schützende decke.
es könnte ein spiel sein,
bei dem man
auch tränen sieht
oder ernüchtert erwacht.
wir hätten keine flügel,
heißt es,
wir hätten schulterblätter.
das ist zu spüren.
aber engel sind hergezogen,
um uns zu schützen
und die augen zu öffnen,
wie für den fahrradkorb
z. b.,
den ich heute morgen sah
und fast nicht glauben wollte,
dass blumen aus ihm sprießen.
michael starcke
im garten des freundes
für rainer
in den hohen tannen
hängt der glanz der abendsonne,
bis sie untergeht.
der garten des freundes
ist ein wandloses haus,
ausgelegt mit schönem
gänseblümchenwiesenteppich.
gestützt
verkörpert ein apfelbaum
die sanftmut der fülle,
die glaubhafte fiktion
ewigen lebens.
ein blauweißer stuhl
steht davor,
als ruhe er in sich
mit geschlossenen lidern.
tauben nahen
im sturzflug,
als brächten sie briefe
und durch die tür im zaun
gehen buchstaben ein und aus
und wollen zu wörtern werden,
die unserem heiteren gespräch
ganz ernsthaft
gerade noch fehlten.