Lyrik - Katrin Zill
Katrin Zill - Obwohl mein Metier eher die Kurzgeschichte ist, gibt es Momente, in denen Worte aus mir heraussprudeln, die keine Geschichte werden wollen, sondern Momentaufnahmen meiner Gefühle auffangen.
Abschied von der Glühbirne?
Du Birne aus Glas
zerbrechlich und schön,
spendest warmes Licht
wie eine kleine Sonne.
Lange schon, doch wer Dich erfand,
weiß man nicht.
Edison, Göbel, Lindsay, Swan?
Hauptsache ist:
DU gibt’s uns Licht.
Doch bald ist´s vorbei
und Du wirst verbannt.
„Brüssel knipst die Glühbirnen aus“,
titeln die Medien.
Bald ist es aus
mit warmen Licht,
dass strahlt wie die Sonne;
mit preiswerten Lampen
in ´zig Formen und Farben.
Ab in die Tonne.
„Wir müssen sparen!“
Damit meinen DIE uns.
Du frisst zu viel Strom,
sagen DIE
ihre halbe Wahrheit
und verschweigen, wie
es wirklich um Dich steht.
Du hast Deine Fassung verloren.
Auf ewig?
Doch wofür?
Teure Lampen,
die Energie sparen sollen?!
Kaltes Licht,
das heimelig sein soll?!
UV-Strahlen,
die nicht schaden sollen?!
Quecksilberfüllungen,
die nicht gefährlich sein sollen?!
Gesundheit – ist nicht wichtig.
Wohlbefinden – ist nicht wichtig.
Sicherheit – ist nicht wichtig.
Wir müssen sparen –
wider der Vernunft.
(Katrin Zill)
Die Mauer
„Niemand hatte vor,
eine Mauer zu bauen.“
Und dann stand sie da.
Zog sich durch die Stadt
wie ein grauer Gürtel.
Einmal war ich da.
Hatte mich verirrt
stand direkt vor ihr.
Zum Greifen nah.
Mit flauem Gefühl im Bauch
und Angst hatte ich auch.
Beobachtet man mich,
wie ich hier stehe
und mir lediglich
ein Stück Mauer ansehe?
Ertappt fühlte ich mich,
doch wieso eigentlich?
Ich tat ihm doch nichts,
dem Schutzwall.
Beschützte er mich?
Vor wem oder was?
Ich wusste es nicht.
Er wirkte bedrohlich
und schien zu rufen:
„Geh! Bleib weg von mir!“
Erst später,
als diese Mauer fiel,
war ich ihr wieder nah.
Kroch durch sie durch,
berührte sie
und erinnerte mich an die Worte:
„Niemand hatte vor,
eine Mauer zu bauen.“
(Katrin Zill)
Verstehen
sollen wir uns,
weil man das
von uns
erwartet.
Verstehen.
Nur wie,
wenn wir nicht
eine gemeinsame
Sprache
sprechen?
Wo bleibt das
Verständnis
für unser
Nicht-Verstehen?
Verstehst Du das?
(Katrin Zill)
Quasi gleich…
oder doch eventuell…
erst später
…
nein irgendwie jetzt
doch –
eigentlich ist es
anscheinend anders!
Vielleicht könnte ich,
wenn ich wollte,
aber…
Eventuell
sollte ich - irgendwie,
doch vielleicht
nicht – oder quasi
fast.
…
Ich weiß es nicht!
Sag du mir doch!
Was muss ich
oder
sollte ich…
Eigentlich ja
oder eigentlich doch -
nicht.
Beinah hätte ich – quasi,
doch dann
irgendwie doch nicht.
Eigenartig.
(Katrin Zill)
Angst ist
eine Welle, die dich überspült
Angst ist
ein Sturm, der dich umhaut
Angst ist
ein Gestrüpp, das dich zerkratzt
Angst ist
eine Mauer, die dich zerdrückt
Angst ist
ein Loch, in dem du dich verlierst
Angst ist
ein Kind, das dich verspottet
Angst ist
ein Ungeheuer, das dich verschlingt
Angst ist
ein Geist, der dich quält
Angst ist
ein Gefühl, das dich beschützt
Angst ist
ganz klein, wenn du sie mit
L I E B E
fütterst
bedingungslos
(Katrin Zill)
LIEBE
fällt wie ein Tautropfen
vom Himmel
direkt in dein Herz
es öffnet sich
lacht und strahlt
und
ein Weg
breitet sich vor dir aus
einem samtenen Teppich gleich
leichtfüßig
tanzt du diesen Weg entlang
bis zu der Kreuzung
an der du entscheiden darfst
ob du den bekannten Weg
weitergehst
oder den Mut hast
einen neuen einzuschlagen
(Katrin Zill)
ICH
liebe
fliege
schwebe
glühe
brenne
leuchte
blühe
träume
hoffe
liebe
begehre
erwarte – nichts
wache plötzlich auf
sehe
erkenne
alles war nur
ILLUSION?
(Katrin Zill)
süße
Versuchung
noch ein bisschen Zimt
der Herd knistert leise
„gib sie mir, schnell“
warte, noch Zucker
mmh, soll ich wirklich
gut, auf´s Blech damit
hey, seh ich da meinen Traummann
mit dem Rosinenauge
schnell in den Ofen
nase weit auf, es duftet
gleich sind sie fertig
aah, lecker
(Katrin Zill)
abgehakt
auf den scherben eines versagers
erhobenen hauptes
nach vorn
schreitend
den energiefresser
abgenabelt
neue freiheit
in kopf und herz
falsche kompromisse
abgelegt
erfahrung
abgehakt
(Katrin Zill)