Lyrik - Bernd Möller

Bernd Möller ist Berufsclown, Künstler und Autor. Er schreibt lange Gedichte, lyrische Kurzgeschichten oder in sich geschlossene Geschichten in Reimform - Kunst, die sich eben in keine bestimmte Schublade packen lässt.


Werke:

Lachen

Ein Mensch, der schenket Dir ein liebes Lächeln,
und will Dir nun neu Lebenswind zu fächeln.
Ein nächster spendet Dir ein herzerfrischtes Lachen,
und angesteckt, lässt dieses heiter in Dir krachen.
Ein and´rer liebkoset Dich mit einem Schmunzeln,
zum Vertreiben Deiner Stirnesrunzeln
Ein weit´rer gebet Dir verschmitztes Grinsen,
um zu öffnen Dir die Augeslinsen.

Ach, lache, schmunz´le, grinse, was das Zeug nur hält,
es verknüpfet ja im schwärzten Dunkel Dir die Welt,
denn eh Du Dich versiehst, da kommt,
Gevatter Tod mit seiner Trage prompt,
und kaum im Jenseits angekommen,
hast Du es im Nu vernommen,
das göttlich große eine Lachen,
es lässt Erkenntnis Dir entfachen.

So spricht´s: Jeder Tag in Deinem Leben,
an dem Du nicht gelacht hast, ist Vergeben!

(Bernd Möller)

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Tüpfelchen

Es war einmal, - schon viele Jahre ist es her,
da kam zu uns nach Haus der Nachbar Güldenmeer;
er brachte ´nen Karton, mit winzig kleinem Schatze
und schenkte uns ´ne zauberhafte Babykatze.
Wir waren alle gleich in sie total verschossen,
ja, hatten sie im Nu in unser Herz geschlossen.
Nun brauchten wir ´nen Namen für das Kätzelein,
doch ein schöner fiel uns nicht soeben ein.
„Wie wär´s mit Tigerlein, mit Löwentatze,
oder Stupsi, - so als Name für die kleine Katze?“
Nein, - so wollten wir sie nicht benennen,
doch wer könnt ´nen guten Namen für sie kennen?
Wir beschlossen, uns damit noch Zeit zu lassen,
vorübergehend würd´ ganz einfach „Kleine“ passen.
Am Morgen drauf, ging ich dann froh und munter,
zum Eier holen, in den Keller nun herunter.
Zur Überraschung fand ich dort, - ja ganz fidel
uns´re „Kleine“, überschüttet, - weiß von Mehl.
Sie hat die Vorratskammer forsch erkundet,
und probiert, ob`s weiße Puder auch wohl mundet.
Jetzt machte sie mit jedem Schritt, mit jedem Hupfer,
auf den Boden einen kleinen weißen Tupfer.
Und dieses herrlich – süße „Weißspurlaufen“,
ließ sie auf den Namen „Tüpfelchen“ gleich taufen!

Nun war Tüpfelchen schon lang bei uns zu Haus,
und viel erlebten wir mit ihr, Tag ein, Tag aus.
Mal aß sie die Geburtstagstorte auf,
dann jagte sie, ganz flink im Dauerlauf
im Wohnzimmer ein klitzekleines Mäuschen,
die Kinder war´n dabei ganz kräftig aus dem Häuschen.
Ein andermal, da machten wir uns große Sorgen,
denn sie kam nicht heim, - jetzt schon den dritten Morgen;
wir dachten schon an´s Schlimmste, - Na, - von Wegen,
auf dem Kinderzimmerschrank hat sie gelegen.
Als meine Frau lag wochenlang schwer krank im Bett,
war´s, als wenn ich´s Tüpfelchen dort angebunden hätt´;
Sie war bei Ihr, fast ohne Paus´, bei Tag und Nacht,
und hat mit aller Treue dort am Krankenbett gewacht.
Das war so rührend, - mein Herz, es wurd` ganz weich,
und dachte: „Mensch, was macht uns diese Katze reich!“
Doch eines Abends, ich kam g´rad zu Hause an
da trat Frau Güldenmeer mit Tränen an mich ran,
erzählte mir, dass etwas wär geschehen,
ich sollt´ zum Straßenrand mit ihr mal gehen;
dort fuhr durch mich ein heft´ger Schmerz, musst beinah spucken,
ich wollt´s nicht seh´n und konnt es nicht angucken:
Das Tüpfelchen, lag da, - vom Auto überrannt,
übel hingerichtet, hab sie kaum erkannt.
Schweren Herzens gab ich nun die Botschaft kund,
und große Trauer war bei uns ab dieser Stund.
Wir wollten ´s einfach nicht verstehen,
dass wir unser´n Liebling nicht mehr wieder sehen.
So ging die Familie dann geschlossen
haben soviel Tränen ja vergossen,
an den Straßenrand, nun voller Schwere
und gaben Tüpfelchen die letzte Ehre.
Obwohl ´s uns wurde schier zur Qual,
machten wir ein schönes Abschiedsritual.
Als Dankeschön aus unserm Herzen,
schmückten wir den Ort mit Blumen und mit Kerzen.

In den Tagen drauf war alles Leben schwer,
denn das Tüpfelchen, es fehlte uns so sehr.
In meiner Fantasie wollt ich´s oft so sehen,
als wär das ganze gar nicht erst geschehen.
Drei Tage lang war ich so verwirrt,
etwas sprach in mir: Sie lebt, ich habe mich geirrt“
Ich schaute hinter Sträuchern, hinter mancher Mauer,
Enttäuschung bracht zurück mir meine Trauer.
Und nach 100 schweren Stunden,
hatt´ auch ich mit dem Verlust mich abgefunden.
Dann gab ich unserm kleinen Schatz,
zur Erinnerung ´nen schönen Platz,
und stellte noch mit Tränenlauf,
auf meinem Schreibtisch ein Bildchen von ihm auf.

Tags drauf hatte meine Tochter nun Geburtstagsfeier,
und für den Kuchen brauchten wir noch Milch und Eier;
so sollt´ ich in den Vorratskeller runter geh´n,
doch was mussten meine Augen dort nun seh´n:
Auf dem Boden, von Milch, ne riesig´ Pfütze,
dazu noch Eier und ´ne Packung rote Grütze.
Kaum wollt ich diese Sache mir genau anschauen,
hört´ ich´s plötzlich aus der Ecke laut miauen.
Mein Herz begann ja heftig an zu pochen,
schon kam das Tüpfelchen hervor gekrochen,
leckte sich vergnügt das Schleckermaul,
reckte sich, streckt´ sich mit Gejaul,
doch konnt´ ich kaum noch meinen Ohren trauen,
denn ich hört´s schon wieder aus der Eck´ miauen.
„Was ist das da, - auf dem Versteckeplätzchen,
dort sitzen doch zwei winzig kleine Kätzchen.“
Da dachten wir, wir hätten ´s Tüpfelchen verloren,
dabei hatt` sie Ihre Jungen hier geboren.
Freudestrahlend flitzt` ich hoch zu meinen Lieben,
„Wo bist Du nur so lang geblieben?“
Hört` ich meine Tochter fragen.
„Ich, - hab Euch was Wichtiges zu sagen:
unten, da ist auch Geburtstagsfeier,
bei der gibt´s Milch, rote Grütz und auch noch Eier,
Tüpfelchen, - sie lebt, - sie ist im Keller!“
Wir alle eilten runter, schnell und schneller,
da kamen ja die drei uns schon entgegen,
und wie wir sie so sah`n in ihrem Fortbewegen,
ließ der Anblick uns nun schier erheben,
denn dieser wollt` uns gleich zwei Katzennamen geben:
die eine malt` ein Bild, von Tropfen, milchig – weißen,
drum sollt` sie fortan Tröpfchen heißen;
die and´re hinterließ mit ihren Schwänzchen, fein,
´nen Streifen, drum sollt` ihr Name Streifchen sein.

Oh, was war das ´ne Geburtstagsfeier,
zwar mit Kuchen, - ohne Milch und Eier,
Dafür mit jede Menge Freudentränen,
nach Tagen voller Trauer, voller Sehnen.
Wir alle war´n von Wiedersehensfreud entzückt,
und von dem kleinen Nachwuchs so beglückt.

Am Abend gingen wir zum Straßenrand noch hin,
denn etwas uns ganz wichtig nun erschien.
Wir stellten dort ein Schildchen auf,
und schrieben folgendes darauf:
„In Gedenken an eine rote Katze,
die Ihr Leben ließ an diesem Platze,
und an den Menschen, zu dem sie hat gehört,
dessen Herz von Trauer ist beschwert.
In Gedenken, dass diese Katze nicht vergessen ist,
zum Dank ans Tüpfelchen, dass Du ja noch bei uns bist!

(Bernd Möller)

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