Lyrik - Birgit Bauer

Birgit Bauer - Manufaktur für Wolle und Worte. Als Lyrikerin nachdenklich, als bellestristische Autorin frech und unterhaltsam. Auf women´s edition veröffentlicht sie bissige Kolumen und lebendige Kurzgeschichten. Zusammen mit Christiane von Lewinski hat sie Ende 2007 ihren ersten Roman "Powerfrauen betrügt man nicht" herausgebracht.


Werke:

Angekommen

Langen Weg zurückgelegt,
Hürden überwunden.
Gehadert, gezweifelt, geschuftet.
Oft nichts erreicht,
und doch so viel geschafft.
Gefallen,
in Tränen gebadet,
wütend geschrien,
dem Leben getrotzt.
Abgetrocknet und aufgestanden.
Inne gehalten, Gedanken gemacht,
dann den ersten Schritt getan.
Den Weg fortgesetzt.
Gekämpft und nicht nachgegeben.
Das Ziel erreicht.
Belohnung erhalten.
Traum erfüllt.
Angekommen.

(Birgit Bauer)

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Blaue Fenster

Flimmernd blau strahlen sie in die Nacht.
Blaue Fenster in dunkelgrauen Siedlungen am Stadtrand.
Nistkästen nackter, roher Existenz.
Öffnungen in die Traurigkeit.
Synthetisches Licht,
Brutlampe von Leere und Frust.
Erzeugt von einem kleinen Kasten.
Er ist das Fenster ins Leben.
In einer Welt, die so einsam ist,
die nicht unsere scheint.
Blaues Licht erzeugt ein wenig Heimat.
Ein Gefühl, das sie eigentlich nicht kennen.
Sanfter, kalter Schein der Gefühle transportiert,
die sie vor langer Zeit verloren.
Empfindungen, Beziehungen zur realen Welt,
nicht da, zu weit entfernt.
Was zählt, ist Überleben.
Sie können nicht hinaus, sind allein.
Verwickelt in das Netz ihrer tristen Nachbarschaft,
jenseits der Glitzergrenzen werden sie übersehen.
Bleiben eingesperrt in ihren dunklen Zellen,
in denen es nur eine Öffnung zu geben scheint.
Das blaue Rechteck in der Ecke.
Blaues Fenster, das ihnen zeigt,
wie der Rest der Welt lebt.
Was für sie nicht möglich scheint.
Sie sind unbeachtet, unerhört, gefangen
und leben am grauen Rand des Lebens.
Dort wo alles was glänzt,
unerreichbar scheint.

(Birgit Bauer)

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Weltverbesserer

Nimm es hin, wie es ist.
Schweig, sonst fällst du auf.
Sieh nicht hin, du kannst nichts tun.
Hör nicht zu, denn das macht keiner.
Fühl nicht mit, Gefühle verboten.
Festes kann man nicht aufweichen.
Meinungen sind Manifeste.
Überzeugende Argumente Zeitverschwendung.
Leb in deinem Schablonenraum.
Gib dich zufrieden und sei bescheiden.
Sagst du.

Farbloses Umherirren,
Grau in Grau,
ganz in Uniform,
geräuschlos,
blicklos,
gehörlos,
gefühllos,
angepasst,
in eine Form gepresst.
Ein taubes Leben.
Lebst du.

Mein Leben ist bunt,
aufgebrochen,
offen,
lebenslustig,
mit eigener Meinung,
voller Liebe,
Neuem und noch mehr Gefühl.
Ich drücke dem Leben meinen bunten Stempel auf,
verrücke Perspektiven und schaue hin.
Weil diese Welt auch meine Welt ist,
die es zu verbessern und zu verändern gilt.

(Birgit Bauer)

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Schokoladentraum

Süß und verlockend lächelst du mir zartbitter entgegen.
Verführung pur, die du bist,
schwelge ich mit dir in sinnlicher Lust.

Aus einem Keim geboren, gehegt und gepflegt,
liebevoll gezupft, gewärmt und verpackt,
bis du um die halbe Welt zu mir gereist.

Du willst mich verführen, gefangen nehmen.
Mit deinem einzigartigen Duft umgarnst du meine Nase,
umgarnst mich auf entspannte Weise, um mir dann ungeahnte Genüsse zu bereiten.

Samtig weich schlängelst du dich um meine Zunge,
offenbarst mir dein Innerstes,
schenkst mir Wärme, Lust und Leidenschaft.

Verzückung, die du bringst, hüllst du meine Nase in feine Düfte,
betörst meine Sinne mit deiner zärtlichen Hülle,
sprengst mein Sein mit einem sinnlichen Begleiter.

Meine Gedanken verschmelzen mit dir zu samtig braunen Träumen,
mein Genuss verschmilzt mit dir zu einem einzigartigen Jubel.
Und auf einmal bist du davon geschmolzen.

Ein zartes Aroma hinterlässt Du.
Kaum spürbar und doch kitzelt es meinen Gaumen.
Zärtlich umgarnt die Kraft, die du hinterlässt,
meine Nerven.

Gerade warst du noch eins mit mir,
ich saugte dich auf, genoss dein verführerisches Aroma.
Noch rührst du an meinem Gaumen,
lockst mich an, lüstern, voller Versprechen,
damit ich mich noch einmal voller Wonne deinem samtigen Geschmack hingebe.

(Birgit Bauer)

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