Jeder Tag, an dem du nicht gelacht hast, ist ein verlorener Tag

Die rote Nase funktioniert fast immer; steckt die im Gesicht, bist du ein Clown und die Leute lachen. Doch so einfach ist es nicht immer. Berufsclown zu sein, ist harte Arbeit und fordert den ganzen Menschen. Bernd Möller hat in diesem Job seine Berufung gefunden und reizt in Solingen nicht nur die Lachmuskeln seines Publikums, sondern setzt auch die „Nachdenkmaschine“ in Gang.

WE: Von Beruf Clown, wie kommt man eigentlich darauf und wie bist du einer geworden?

Möller: Mmh, lass mich ein wenig weiter ausholen. Ich habe zwei abgeschlossene Berufsausbildungen, die gar nichts damit zu tun haben. Ursprünglich habe ich Gärtner gelernt, doch leider musste ich diesen Job wegen meiner Rückenprobleme an den Nagel hängen. Und dabei liebte ich diesen Beruf. Danach habe ich eine Umschulung zum Chemielaboranten gemacht und hatte dann einen Job bei der Schwarz Pharma AG in Monheim. Und dort habe ich eine Sinnkrise bekommen.

WE: Warum? Was ist passiert?

Möller: Ich habe mich in der Aufgabe nicht mehr geborgen gefühlt und die Chemie passte nicht zu meiner Lebenseinstellung. Ich habe mich damit auseinander gesetzt und irgendwann hatte ich den spontanen Impuls aus meinem tiefsten Inneren, dass ich Künstler sein möchte. Ich war ein Jahr krank geschrieben und bin in diesem Jahr ständig gereist. Ich fühlte das erste Mal seit Langem ein Gefühl von Glücklichsein.

Ich habe zudem viele Seminare besucht und mich mit Schamanismus und Obertongesang beschäftigt. Dann war ich acht Wochen in einer Klinik und da zündete der Initialfunken für die Clownerie: Ich habe den Film „Patch Adams“ gesehen und war von der Figur total begeistert. Es hatte mich sehr berührt, wie dieser Clown mit den Patienten umging und mit ihnen arbeitete. In der Klinik habe ich zudem angefangen, mit Speckstein zu arbeiten und beim kreativen Werkeln bin ich immer sehr still geworden.

WE: Dass heißt, du hast deine künstlerische Ader entdeckt und angefangen, sie auszuleben?

Möller: Ja, ich arbeite seit dem viel mit Speckstein und Holz oder Marmor. In meinen Werken verbinde ich unterschiedliche Materialien und kreiere abstrakte Collagen.

WE: Doch Clownerie und Bildhauerei ist noch nicht alles, was du machst, oder?

Möller: Nein, ich schreibe und mache Musik. Auf einer Party entdeckte ich ein Didgeridoo, das in einer Ecke stand und probierte es aus. Ich war so begeistert, dass ich mir auf einem Wochenmarktfest ein eigenes aus Bambus kaufte und es spielen lernte.

Zusätzlich spiele ich Gitarre und praktiziere Obertongesang. Ich habe immer mal wieder neue, interessante Leute getroffen, die mich das ein oder andere, Wichtige haben lernen lassen und mich inspiriert haben, doch ansonsten hat die Kunst mich einfach gefunden und das meiste erarbeite ich mir eher instinktiv.

WE: Deine Kunst ist dein Beruf. Reicht die aus, um deinen Lebensunterhalt zu finanzieren?

Möller: Nein, im Moment kann ich noch nicht allein von der Kunst leben. Ich arbeite halbtags in einem Heim für Behinderte. Dass ich von der Kunst leben kann, daran arbeite ich noch.

WE: In Solingen bist du als Müll-Clown bekannt geworden. Wieso wolltest du überhaupt Clown werden? Was hat dich an dem Film „Patch Adams“ so gepackt?

Möller: Als Mensch hat Patch Adams ein unglaubliches Mitgefühl und die Begabung, die Menschen dort abzuholen, wo sie gerade stehen. Ein Clown ist ein wunderbares Wesen, er bewertet nicht und hält den Menschen damit liebevoll den Spiegel vor die Nase. Er ist das innere Kind und er lebt so, wie er eben ist, - wach, verspielt und sehr präsent mit all seinen Gefühlen und eben auch mit all seinen Missgeschicken. Clown zu sein ist für mich immer wieder „ Die Therapie des Augenblicks „ und hilft mir, mich aus den festgefahrenen Strukturen des Alltags zu lösen.

WE: Wie lange hat es gedauert, bis du als Clown das erste Mal in die Öffentlichkeit getreten bist?

Möller: Nun, von der Idee bis zum ersten Auftritt sind ein paar Jahre vergangen. Die Idee hatte ich 2003, den ersten Auftritt im Herbst 2005. Das Müllproblem in meiner Heimatstadt hat mich immer öfter aufgeregt und ich saß eines Abends in meinem stillen Kämmerlein und grübelte darüber nach. Ich sagte mir: „ Entweder ärgere ich mich jetzt weiter darüber oder ich unternehme etwas“. So wurde plötzlich und auch unerwartet die Idee geboren, in der Stadt als Müllclown die Leute mit der Nase auf das Problem zu stupsen. Es gibt schon Regeln und erhobene Zeigefinger genug, an der diese Gesellschaft krankt.

WE: Wie hast du die Idee dann umgesetzt? Bist du einfach losgezogen und hast Leute bespaßt?

Möller: Ich habe meine Idee der Stadt vorgestellt und die waren begeistert und engagierten mich für fünf Wochen als Solinger Müllclown. Ich bin durch die Fußgängerzone gezogen, habe gesungen, geflötet, mit Müll jongliert, Kreidebilder gemalt und so weiter. In Grundschulen und Kindergärten war ich auch unterwegs.

WE: Und wie kam deine Clownerie bei den Solingern an?

Möller: Die meisten fanden es klasse und ich habe von den Menschen und auch der Tagespresse sehr viel Anerkennung und Wertschätzung bekommen.

WE: Und hat sich das Verhalten der Menschen geändert?

Möller: Geringfügig. Um wirklich etwas verändern zu können, müsste ich immer mal wieder mit meiner bunten Mülltonne in der Öffentlichkeit auftauchen, doch der Stadt ist das wohl zu teuer. Diese Aktion war ein sehr guter Startschuss für meine Clownlaufbahn und ich hatte nie Zweifel, dass die Stadt meine Idee abschmettern würde, denn bei dieser Idee habe ich solch eine Freude in meinem Innern gespürt, wie ich es selten im Leben gespürt habe.

WE: Wo trittst du jetzt auf?

Möller: Hauptsächlich auf Kindergeburtstagen, in Kindergärten und Grundschulen sowie auf Stadt- und Gemeindefesten und in Alten- und Behinderteneinrichtungen.

WE: Was ist dein Traum, dein Ziel?

Möller: Da ich auch gerne schreibe, ist mein Ziel, unter anderem von der Schriftstellerei leben zu können. Natürlich gibt es da noch mehr an Träumen in mir, möchte an dieser Stelle aber nicht darüber sprechen.

WE: Was schreibst du?

Möller: In erster Linie lange Gedichte oder lyrische Kurzgeschichten oder in sich geschlossene Geschichten in Reimform oder wie auch immer man das bezeichnen mag. Es sind Geschichten, die sich reimen.

WE: Hast du schon einige deiner lyrischen Werke veröffentlicht?

Möller: Außer in deinem Netzwerk habe ich zwei Werke in Anthologien veröffentlicht. Das „Tüpfelchen“ kommt in der Anthologie „Tierwelten“ heraus und „Königsberger Klopse nach Großmutters Art“ erschien in „Bratpfannengeflüster“. Ich schreibe humoristisch, aber auch ernsthaft; es ist meine Absicht, immer etwas ernsthaftes auszudrücken, dies aber gut zu verpacken.

WE: Wie sieht es mit Wettbewerben aus? Hast du da schon mal deine Fühler ausgestreckt?

Möller: Ja, zur Zeit nehme ich am Wilhelm-Busch-Wettbewerb teil.

WE: Und hast du auch schon ein eigenes Buch geplant?

Möller: Ja, Ideen gibt es schon und diese werden auch bald umgesetzt.

WE: Insgesamt bist du in vielen verschiedenen künstlerischen Bereichen zu Hause. Warum?

Möller: Nun, es ist einfach so. Doch im Moment konzentriere ich mich mehr auf die Unterhaltung, sprich die Clownerie und das Schreiben. Mein schönstes Erlebnis war ein Abend im Café Sol. Ich habe meine Werke ausgestellt und dies mit Lyrik und Musik verwoben, denn ich habe nicht nur gesungen, sondern auch meinen Lieblingsdichter Alfred Grünewald vorgelesen.

WE: Ist es eigentlich schwer, als Clown einen Menschen zum lachen zu bringen?

Möller: Die rote Nase funktioniert bei den meisten, auch bei Erwachsenen. Die Begegnungen in zivil sind dann schon mal total anders, als im Clownskostüm, denn als Clown ist man irgendwie ein neutrales Wesen. So nehmen die Leute einen als Clown mal eben so in die Arme und knuddeln dich. Trete ich dann wenig später noch einmal in zivil in den Raum, werden manche plötzlich sehr distanziert.

WE: Bedeutet das, dass die Leute den Menschen hinter dem Clown gar nicht sehen oder sehen wollen?

Möller: Ja,….ich denk schon, doch ich weiß es nicht wirklich.

WE: Wie gehst du damit um?

Möller: Es vermischt sich irgendwie. Schabernack gehört zu meinem Wesen und zum Wesen eines Clowns gehört eben auch die Lust am Scheitern. Das macht vieles einfacher. Doch ich bin natürlich kein emotional freier Mensch und habe manchmal schon daran zu knacken, dass ein Erwachsener partout nicht lachen will. Hart ist zum Beispiel, wenn ich im Kindergarten auftrete und die Kinder sich kringelig lachen, während die Erzieherin mit einem langen Gesicht in der Ecke steht. Manchmal nehme ich das schon mit nach Hause und ich habe auch schon erlebt, dass Erwachsene erst dann anfangen zu lachen, wenn der Clown weint. Ich glaube, sie fühlen sich dann mit ihrer Traurigkeit gesehen und angenommen und können plötzlich wieder lachen

WE: Die Standardfrage – bist du privat auch ein „Clown“ oder eher der ernsthafte Typ?

Möller: Auf jeden Fall bin ich auch privat ein Clown, obwohl ich schon ein ernsthafter Mensch bin. Das Eine schließt das Andere nicht aus. Ich lebe im Grunde genommen nach dem Motto „Jeden Tag, den du nicht gelacht hast, ist ein vergebener Tag.“ – Oleg Popov, ein alter und wunderbarer Clown, hat das mal gesagt, doch ursprünglich kommt diese Aussage von Charlie Chaplin.

WE: Hat eigentlich jeder das Zeug zum Clown?

Möller: Der Clown ist für mich das innere Kind, das jedem Impuls nachgeht und über alles staunt. Ja, ein Clown ist quasi wie ein staunendes kleines Kind und das wohnt nun mal in jedem von uns, auch wenn es schon mal sehr verborgen scheint.

WE: Dein absoluter Traumauftritt wäre?

Möller: Einmal mit Oleg Popow auf der Bühne stehen oder dem echten Patch Adams zu begegnen, um mit ihm gemeinsam ein Programm zu machen, in Kliniken oder Krankenhäusern vielleicht, ….das wäre es.

WE: Was sind deine Pläne für die Zukunft?

Möller: Da fällt mir ein: „ Wenn Du Gott zum lachen bringen willst, dann mach einen Plan,….! Ich bin gerade in einer sehr intensiven Schreibphase, bin sehr inspiriert und das möchte ich jetzt einfach ausnutzen. Ich arbeite an drei weiteren Ideen für Wettbewerbe und möchte so schnell wie möglich mit meinem schriftstellerischen Arbeiten an die Öffentlichkeit gehen. Ansonsten ist mein Ziel, diesen Augenblick einfach Freude und Glück zu empfinden, so nach dem Motto: “There´s no Way to Happiness, - Happiness ist he Way!“

Das Interview führte women´s edition Herausgeberin Katrin Zill.

Fotos: © Bernd Möller

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