„Wir wollten morden!“ - Wie Powerfrauen einen packenden Krimi schreiben


„Powerfrauen betrügt man nicht“ heißt der fesselnde Krimi, der kurz vor Weihnachten 2007 druckfrisch auf den Markt gekommen ist. Es ist der Debütroman des Autorenduos Birgit Bauer (rechts) und Christiane von Lewinski (links), mit dem die Beiden – wie ich finde – einen exzellenten Start hingelegt haben. Spannung pur, eine wundervolle Geschichte und alles spielt in einer Region, die ich sehr gut kenne: Köln. Supersache, die Beiden muss ich kennen lernen. So dachte ich mir und freute mich, dass das Duo Bauer/Lewinski gern ein bisschen aus dem Nähkästchen plauderte.
WE: Ihr habt jetzt euren Erstling herausgebracht, ein Buch, dass ihr beide gemeinsam geschrieben habt. Hattet ihr von Anfang an den Plan gehabt, zu zweit an einem Roman zu schreiben oder hat sich das so ergeben?
Bauer: Nun, man lernt sich einfach so kennen, findet sich sympathisch und fängt einfach an. Es hat sich so ergeben.
Lewinski: Wir haben uns im Netzwerk die erste Zeit nur gepostet und dann aus Gag angefangen, gemeinsam etwas zu schreiben. Wir haben schnell festgestellt, dass das richtig gut lief. So haben wir weiter gemacht.
Bauer: Unsere Begegnung war eindeutig zufällig, wir haben beide nicht zielstrebig nach jemanden gesucht, mit dem wir gemeinsam ein Buch schreiben.
Lewinski: Ich war zu dieser Zeit eher mit Kurzgeschichten beschäftigt aber eine ganz andere Thematik.
Bauer: Bei mir waren es Kolumnen, Lyrik und Kurzgeschichten. Lewinski kam, sah und siegte.
WE: Ihr spracht von Postings, Netzwerk und so weiter. Und „zufällig“ weiß ich, dass die eine von euch in der Nähe von Köln, die andere in Bayern lebt. Wie und wo habt ihr euch denn nun kennen gelernt?
Lewinski: Bei Xing.
Bauer: Eine Xing-Erfolgsstory sozusagen.
Lewinski: Wir haben dort gepostet und schnell gemerkt, das passt mit uns beiden. Sympathie war gleich da und dann sind wir eben mehr ins Detail gegangen. In München habe wir uns persönlich kennen gelernt und haben dann gemeinsam in Kneipen gesessen und zusammen Mordkomplotte geschmiedet.
Bauer: Es machte viel Spaß, gemeinsam Pläne zu schmieden. Die Leute haben oft komisch geguckt, wenn wir zu laut überlegt haben, wie wir den einen oder anderen sterben lassen könnten.
WE: Wie lange kennt ihr euch schon?
Lewinski: Mmh, wann war ich zuletzt in München...
Bauer: Es muss im Winter gewesen sein, denn es war kalt.
Lewinski: Februar, März 2006. Winter. Da haben wir uns in München persönlich kennen gelernt.
Bauer: Der Austausch übers Netzwerk hatte aber schon eine Weile vorher begonnen.
Lewinski: Nach unserem Treffen in München haben wir dann angefangen, strukturiert an dem Roman zu arbeiten.
Bauer: Ja, wir hatten an dem Abend einen Plan entwickelt, was passieren soll und wer stirbt.
WE: Euer Roman „Powerfrauen betrügt man nicht“ ist ein packender Wirtschaftskrimi. Wieso Wirtschaft? Was hat euch daran so gereizt?
Lewinski: Dass es ein Krimi werden soll, war uns schnell klar.
Bauer: Ja, wir wollten morden! Das Thema Wirtschaft kam beim Schreiben. Wir überlegten, wer was warum tut und es passte hervorragend zum Personenkreis, den wir kreiert hatten.
WE: Auf mich macht eure Geschichte einen sehr durchdachten und schlüssigen Eindruck. Sie wirkt authentisch. Hat eine von euch beiden Jura oder Wirtschaft studiert oder habt ihr viel recherchiert?
Lewinski: Naja, eigentlich haben wir das Thema mehr oberflächlich angerissen. Unser Lektorat hat die Geschichte durchgearbeitet und gesagt, sie ist gut.
Bauer: Ja, das Lektorat hat die Plausibilität der Geschichte geprüft und ja, recherchiert haben wir schon. Ich habe mich zum Beispiel mit einem befreundeten Steuerberater unterhalten und ihn gefragt, ob der Fall so laufen könnte, wie wir ihn konstruiert hatten. Und außerdem gibt es doch das Fernsehen; viele Themen kommen in Nachrichten und werden in Wirtschaftssendungen behandelt und wenn man das aufmerksam verfolgt, bekommt schon die ein oder andere Inspiration.
WE: Die Eine im Süden, die Andere in der Mitte Deutschlands und beide schreiben gemeinsam an einem Buch. Wie habt ihr das koordiniert und zum Beispiel euch geeinigt, wer welche Stellen schreibt?
Lewinski: Wir haben hier nichts festgelegt, sondern es hat immer die Eine gerade geschrieben und die Andere gerade nicht. Wir haben uns die Texte dann gegenseitig zugeschickt, wie es gerade passte, so dass man da einsteigen konnte, wo die Andere gerade aufgehört hatte.
Bauer: Wir haben so geschrieben, wie wir gerade die Ideen hatten.
Lewinski: Einzige Ausnahme – meine Domäne war Köln.
Bauer: Und mein Ressort war das Thema Mode; so hatte jede ihr Spezialgebiet. Jede hat eben ihre Talente, die eine mehr Mode, die andere mehr Köln, mehr Morde, mehr Action – es hat sich super ergänzt.
WE: Findet man euch eigentlich im Buch wieder?
Bauer: Hier und da.
Lewinski: Es ist nicht so, dass eine Person im Buch ich bin und eine Person Birgit. Doch es sind Charakterzüge von uns beiden in unseren Romanfiguren versteckt, die aber nur die Leute wirklich erkennen können, die uns sehr gut kennen.
Bauer: Es ist wirklich nur ein bisschen von uns im Buch, ebenso wie jeder, der schreibt, etwas von sich in die Texte einfließen lässt.
WE: Das Buch ist jetzt frisch auf dem Markt; stolze 531 Seiten. Wie lange habt ihr eigentlich daran geschrieben?
Lewinski: Ich würde sagen, ein gutes halbes Jahr.
Bauer: Ja, mit Korrekturen und noch einmal komplett lesen.
Lewinski: Wir haben allerdings nicht nonstop geschrieben, dazwischen gab es auch immer wieder Schreibpausen, wenn wir beispielsweise in anderen Projekten steckten.
Bauer: Oder man hatte einfach mal eine Schreibblockade und weiß nicht so recht weiter. Auch das kann passieren.
Lewinski: Ja, manchmal fällt einem einfach nichts ein, dann ruht die Geschichte ein paar Tage und dann fluppt es wieder.
Bauer: In der Zeit haben wir dann oft auch nur gebrainstormt, sprich, nicht geschrieben, sondern Stichpunkte gesammelt.
WE: Brainstorming, ein gutes Stichwort. In vielen Lehrbüchern oder Schreibkursen wird davon erzählt, dass man zuerst Figuren entwickelt, die Handlung konstruiert oder mit Zettelkästen arbeitet. Wie arbeitet ihr?
Lewinski: Seitenweise Skizzen – wohl eher nicht. Die Figuren haben sich bei uns beim Schreiben entwickelt.
Bauer: Ja, beim Schreiben kamen uns immer wieder neue Einfälle. Die Personen vorher festzuschreiben, wäre einfach nicht gegangen. Die einzelnen Charaktere haben wir beim Schreiben herausgearbeitet und während der Geschichte immer weiter verfeinert.
WE: Euer Buch erscheint jetzt im Buchmann Buch-Verlag. Doch dort habt ihr sicherlich nicht zu erst geklingelt... Wie gestaltete sich bei euch die Verlagssuche?
Bauer: Mühsam.
Lewinski: Es war in der Tat recht mühselig. Birgit hatte ein wunderbares Exposé gestaltet und wir hatten fleißig Leseproben verschickt.
Bauer: Die Schwierigkeit war, dass es so viele Verlage gibt. Wir haben vorher im Internet recherchiert, was die einzelnen Verlage lesen wollen.
Lewinski: Wir haben uns angesehen, was die im Programm haben. Belletristik war das Ziel, denn ein Verlag, der zum Beispiel Heinrich Böll verlegt, passte irgendwie nicht.
Bauer: Wir haben das gemacht, um ein Gefühl dafür zu bekommen, wo wir mit unserem Buch landen könnten und wo nicht. Viele Recherchen führten uns durch Verlagsprogramme und Autoreninformationen auf den verschiedenen Seiten im Internet.
WE: Habt ihr dabei auch die ganz großen Verlage angeschrieben oder nur Kleinverlage?
Bauer: Es war eine gute Mischung von beidem.
WE: Wie seid ihr dann zum Buchmann Buch-Verlag gekommen?
Lewinski: Über ein persönliches Netzwerk. Eine Freundin kannte eine Freundin, die kannte... Wir haben Frau Buchmann eine dann Leseprobe geschickt.
Bauer: Und dann das Manuskript.
Lewinski: Dann haben wir recht schnell miteinander telefoniert und dann kam schon im Frühjahr die Zusage. Durch den persönlichen Kontakt haben wir viel auch für zukünftige Bücher gelernt.
WE: Ihr habt eine Auflage von 1000 Büchern drucken lassen...
Bauer: Nein, der Verlag hat das festgelegt!
Lewinski: Ja, das ist eine übliche Anfangsgröße, denke ich. Dies war vom Verlag vorgegeben. Ich habe schon oft gehört, dass Jungautoren mit einer Startauflage von 1000 Stück gedruckt werden.
Bauer: Es gibt auch Kleinverlage, die nur 500 Stück drucken, doch das erscheint mir nicht vernünftig, da hier Kosten und Nutzen nicht mehr in einem guten Verhältnis zueinander stehen.
WE: Musstet ihr erst einmal in Vorkasse treten?
Bauer: Wir haben im Moment sehr niedrige Kosten. Das war auch unser Ziel. Wir haben als Autoren im Vorfeld schon eine Menge Arbeit geleistet und hatten schon, bevor wir mit dem Buchmann Buch Verlag ins Gespräch kamen, Kosten für die Einreichung unseres Romanes. Beispielsweise für Manuskriptdrucke, Porto usw..
WE: Wie sieht es jetzt mit dem Marketing aus?
Lewinski: Den Löwenanteil übernimmt der Verlag, er gibt offizielle Pressemitteilungen heraus und verschickt Rezensionsexemplare. Aber jede von uns macht auch selbst Werbung in der eigenen Region; persönliche PR, die natürlich auch mit dem Verlag abgestimmt ist.
Bauer: Die persönlichen Kontakte, die jede hat, sollte man einfach mitnehmen.
WE: Wie sieht es mit Lesungen aus?
Lewinski: Natürlich sehr gern, daran sind wir beide interessiert, doch im Moment ist es noch etwas verfrüht, da das Buch gerade erst auf den Markt gekommen ist. Doch wenn man uns haben will, lesen wir natürlich sehr gern.
WE: Kommt ihr dann auch gemeinsam zu einer Lesung?
Bauer: Im Doppelpack wären wir sicherlich ein Unterhaltungsprogramm für bestimmt vier Stunden.
Lewinski: Ganz ehrlich, wenn es sich rechnet, ja. Wenn eine Lesung allerdings nicht honoriert wird, dann wird es aufgrund der Entfernung schwierig. Wir kommen aber auch alleine, wenn es nicht möglich ist, eine von uns anreisen zu lassen.
WE: Habt ihr schon darüber nachgedacht, euren Roman als Hörbuch heraus zu bringen?
Lewinski: Fragen kamen dazu schon und sicherlich wäre es lustig, wenn wir beide lesen würden.
Bauer: Wir werden die Anfragen gerne an den Buchmann Buch-Verlag weiterleiten.
WE: Wie sehen eure Pläne aus, jetzt, wo der Krimi auf dem Markt ist?
Lewinski: Wir sitzen schon an dem nächsten Buch, Powerfrauen Nummer 2 und es geht mit noch mehr Spannung, Spaß und Schokolade weiter.
WE: Schreibt ihr zusätzlich auch an eigenen Werken?
Lewinski: Ja, ich habe ein fertiges Buch hier liegen, das in 2008 herauskommen wird.
Bauer: Ich reiche meines gerade ein und daneben habe ich noch einige andere Projekte, die ich im nächsten Jahr starten werde.
WE: Habt ihr besondere Tipps für all die Schreiber da draußen, die ihren Erstling planen?
Lewinski: Anfangen!
Bauer: Einfach loslegen und ausprobieren, das Talent erforschen!
Lewinski: Anfangen ist das Einzige. Es gibt nicht das perfekte Rezept. Klar kann man sich in Seminaren oder anderswo gute Tipps holen. Uns hat zum Beispiel unser Lektorat noch viel geholfen und uns verbessert. Doch man kann nicht sagen, so oder so schreibt man ein Buch.
Bauer: Bevor wir richtig losgelegt haben, sind wir lange Zeit erst einmal mit der Idee im Kopf herumgelaufen. Irgendwann war der Zeitpunkt perfekt, sie raus zu lassen. Jetzt, nach unserem Erstling haben wir natürlich etwas mehr Plan und Erfahrung, aber einfach los schreiben ist es!
Lewinski: Wir sind beide Macher.
Bauer: Und Autodidakten.
WE: Zu schreiben, ist das für euch ein Beruf, von dem ihr leben wollt oder läuft das eher nebenher?
Bauer: Berufliches und Privates sind bei mir sehr eng verwoben und ich würde schon gerne mit dem Schreiben weiter Karriere machen. Ich möchte weiter Geschichten erzählen und auch als Bücher verkaufen. Nur Schreiben wäre für mich allerdings nichts. Letztlich ist es das, was man erlebt, was inspiriert und anspornt. Und ich habe da noch meine Woll – Manufaktur in der ich Unikate entwerfe und stricke und auch dadurch sehr viel unterwegs. Beide Bereiche sind sehr wichtig für mich, denn das Leben schreibt ja oft die besten Geschichten und so erhalte ich meine Inspiration.
Lewinski: Ja, ich möchte schreiben und Bücher verkaufen, aber nicht nur. Ich möchte einfach genug Zeit zum Schreiben haben und und um Eindrücke zu sammeln. Ich mache meine Seminare (Kommunikationstrainings) und treffe mich mit Menschen, sammele Eindrücke und schreibe dann. Ich könnte nicht nur schreiben, denn dann würde meine Kreativität leiden.
Das Interview führte women´s edition Herausgeberin Katrin Zill.
Fotos: © Birgit Bauer / Christiane von Lewinski