Goldmarie von Schwabach: Tanz durchs Leben
Eine Frau verwirklicht ihre Träume
Sie ist eine Frau mit unglaublich vielen Interessen. Eine Frau, die einfach ihre Träume auslebt und tut, was ihr wirklich Spaß macht. Barbara BaLo* Lorenz ist die Goldmarie von Schwabach: sie verkauft Blattgold für kulinarische Kreationen. Und „ganz nebenbei“ lebt sie ihre künstlerische Ader in ihrer Lyrik und ihren Zeichnungen aus.
WE: Wenn ich so eine Weile auf ihrer Homepage stöbere, erlange ich schnell den Eindruck, dass ich es hier mit einer extrem kreativen und vielseitigen Frau zu tun zu habe - Blattgold, Lyrik, Kunst – welche Bedeutung hat all dies in ihrem Leben?
Lorenz: Meine Webseite spiegelt meine liebsten Beschäftigungen wieder, das, was ich bin und was ich möchte. Meine Liebe zur Kunst war schon immer vorhanden, ebenso der Umgang mit Worten. Das Blattgold ist für mich ein Ausdruck der Sinneslust, aus dem einfach ein Geschäft entstanden ist. All diese Dinge sind für mich ein wahr gewordener Traum.
WE: Wie behalten Sie bei all dem den Überblick?
Lorenz: Ich war schon immer ein Mensch, der viele Dinge gleichzeitig machen kann und dies auch tut. Vielleicht fasziniert mich gerade deshalb die gewerbliche Küche. Köche müssen auch vieles gleichzeitig erledigen. Für mich ist diese Art zu agieren wie ein Tanz. Wenn man vieles gleichzeitig macht, tanzt man durchs Leben.
WE: Wieso haben Sie gerade mit Blattgold ein Geschäft aufgebaut? Was ist so besonderes daran?
Lorenz: Zum einen habe ich das Geschäft mit einem guten Freund gegründet. Er ist, wie ich auch, gebürtiger Schwabacher und war in den 70ern Geselle im Hilton in Düsseldorf. Dort hat er schon mit Blattgold gearbeitet. Eines Tages haben wir aus dieser Kunst ein Geschäft gemacht. Schwabach ist zudem die Blattgoldschlägereistadt schlechthin. Dieses besondere Handwerk hat hier eine sehr lange Tradition. Wir hatten die Idee, das Blattgold an Gastronomen zu verkaufen. Das gab es damals noch nicht.
WE: War Blattgold als kulinarische Zierde denn so neu?
Lorenz: Nein, eigentlich nicht. Die Verzierung von Speisen mit Blattgold ist beispiels-weise Tradition in Indien und Pakistan und ist auch hier in Deutschland bekannt. Das Wiener und das Mailänder Schnitzel zum Beispiel waren ursprünglich mit Blattgold belegtes Fleisch. Nicht zuletzt durch unsere Geschäftsidee ist Blattgold in der Küche wieder modern geworden.
WE: Stellen Sie dann auch selbst Blattgold her?
Lorenz: Nein. Das schaffen wir zeitlich überhaupt nicht. Außerdem ist Goldschläger ein richtiger zu erlernender Handwerksberuf. Wir beziehen unsere Ware vom Fachmann unseres Vertrauens. Wie Blattgold gehämmert wird, habe ich mir natürlich angesehen. Nach einem bestimmten Rhythmus wird es so lang geschlagen, bis es 1/10.000tel Millimeter dick ist.
WE: Verkaufen Sie das Gold nur an Gastronomen?
Lorenz: Nicht nur. Wir beliefern jeden, der Blattgold verwenden möchte. Restaurants, Bäckereien, Privatleute – europaweit, weltweit. In Belgien z.B. verwendet man unser Blattgold übrigens auch bei der Pralinenherstellung. Ich experimentiere natürlich selbst auch damit, wenn ich Gäste zum Essen einlade.
WE: Sie sind also eine kulinarische Künstlerin – und auch eine literarische. Sie schreiben Gedichte. Schon immer?
Lorenz: Ja. Ich bin in einem Haus voller Bücher aufgewachsen. Mein Vater hat selbst viel gelesen und geschrieben. Meine Eltern waren beide künstlerisch tätig. Mein erstes Gedicht habe ich schon mit fünf Jahren verfasst. Als ich krank zu Hause im Bett lag und zum Fenster hinaus schaute, sah ich einen Vogel – und der inspirierte mich. Aufschreiben konnte ich es damals noch nicht.
WE: Schreiben gehört also ebenso zu ihrem Lebensinhalt, wie das Blattgold. Gehen sie mit ihren Werken auch an die Öffentlichkeit oder schreiben sie eher für sich selbst?
Lorenz: Ich habe schon einiges veröffentlicht. Anfangs ließ ich nur meine Lyrik drucken, später erschienen auch einige Essays und in den letzten Jahren auch vermehrt Kurzgeschichten von mir. Ich arbeite gern mit anderen Autoren zusammen. Vor einigen Jahren habe ich zum Beispiel die Zeitschrift „Rhabarber-a!“ herausgebracht. Autoren haben mir ihre Geschichten und Gedichte geschickt, die ich mit meinen Zeichnungen zusammen herausgebracht habe. Ich verbinde das geschriebene Wort gern mit Bildern. Mal dichte ich zu einem Bild, welches ich gezeichnet habe, oder male etwas zum Gedicht.
WE: Das klingt sehr gut. Welche Erfahrungen haben sie bei ihren Veröffentlichungen mit Verlegern gemacht?
Lorenz: Mit der Veröffentlichung meines Lyrikbandes „Abrabarbara!“ hatte ich Glück, denn ich habe einen Kleinverleger kennen gelernt, der nicht das große Geld von mir verlangt hat. Die meisten Verlage fordern von uns Autoren leider eine zu hohe Vorfinanzierung und oft sind die Leistungen unzureichend, die wir dafür bekommen. Auf der anderen Seite muss ich vom Schreiben nicht leben, ich habe mein Blattgold-Geschäft. Deshalb schicke ich nicht viele meiner Werke zu Verlagen, sondern veröffentliche meist in Zeitschriften und Anthologien.
WE: Haben sie auch Werke zu Hause, die von Verlagen abgelehnt wurden?
Lorenz: Ja, ein erotisches Buch. Es wurde zwar nicht in dem Sinn abgelehnt, aber es war zwar bereits zweimal so gut wie unter Dach und Fach - und ist dann dennoch nicht erschienen. Beide Verlage gibt es inzwischen auch nicht mehr. Das Manuskript liegt jetzt bei mir in der Schublade – irgendwann kommt die richtige Zeit. Aktuell plane ich an einem neuen Buchprojekt, vielleicht einem Gesamtkunstwerk mit Gedichten, kürzerer Prosa, Zeichnungen und Blattgold. Ich bin noch nicht sicher, mal sehen, was passiert.
WE: Veranstalten sie eigentlich auch eigene Lesungen?
Lorenz: Ich bin in einer Autorengruppe, mit der ich mich regelmäßig zu Lesungen an verschiedenen Orten treffe. Wir schreiben dann extra für die gewählten Orte Kurzgeschichten, die irgendwie mit der Location zu tun haben. Bekannt sind wir zum Beispiel für unsere Barockgarten-Lesungen. Das Schreiben speziell für die Lesung inspiriert mich oft, auch einmal andere Genre auszuprobieren. Eine Weile beschäftige ich mich daher auch mit Kurzkrimis. Das machte richtig Spaß.
WE: Welchen Rat geben sie Autoren mit auf den Weg, die sich ganz neu auf den Büchermarkt wagen wollen?
Lorenz: Für den Anfang ist es ganz gut, erst einmal in Literatur-Zeitschriften und Anthologien zu veröffentlichen, um sich bekannt zu machen. Eine Freundin von mir hat auch so angefangen und schließlich eine großartige Verlegerin gefunden. Zusätzlich ist es sehr inspirierend, einer Gemeinschaft beizutreten. Entweder eine Autorengruppe oder einem Verband. So ergeben sich nicht nur wundervolle Kontakte, die einem weiterhelfen können, sondern auch Möglichkeiten, Lesungen zu halten. Direkt große Verlage anzusteuern, bringt in der Regel nicht viel. Diese erhalten so viele Zuschriften, dass einige Manuskripte wahrscheinlich gar nicht erst gelesen werden. Ein anderes Problem ist die oft sehr hohe Summe, die man als Autor in allzu viele Verlage investieren muss.
WE: Ihre Ziele und Wünsche für 2007?
Lorenz: Die Dinge gelassen meistern zu können. Es verstehen, Gold aus dem Leben zu waschen, damit auch die Sinne umschmeichelt werden. Es sich einfach gut gehen lassen.
WE: Vielen Dank für das Gespräch.
Mit Barbara BaLo* Lorenz sprach women´s edition Herausgeberin Katrin Zill.
Foto: Barbara BaLo* Lorenz ©
